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Einblick

Transparenz als Chance

Warum der digitale Produktpass mehr ist als Regulierung und wie Unternehmen daraus einen echten Vorteil machen können

Jan Sickinger
Jan Sickinger
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4 min Lesezeit
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Automatisierte Verpackungslinie mit klar strukturierter Prozessführung
Automatisierte Verpackungslinie mit klar strukturierter Prozessführung

Wenn ich aktuell mit Unternehmen aus der Verpackungsindustrie spreche, kommen fast immer die gleichen Fragen: Was bedeutet der Digitale Produktpass konkret für uns? Welche Daten brauchen wir wirklich? Und wie vermeiden wir, dass aus dem Thema nur ein neues Dokumentationsprojekt ohne Nutzen wird?

Genau diese Fragen standen auch im Mittelpunkt meines Vortrags auf der FACHPACK 2024. Mein Eindruck ist klar: Der DPP wird häufig noch als regulatorische Pflicht gesehen. In Wirklichkeit ist er vor allem ein Strukturthema. Unternehmen müssen lernen, Produkt-, Prozess- und Nachhaltigkeitsdaten so zu organisieren, dass sie im Alltag verständlich und nutzbar werden.

Für die Verpackungsindustrie ist das besonders relevant. Hier treffen hohe Variantenvielfalt, kurze Innovationszyklen, steigende Nachhaltigkeitsanforderungen und komplexe Lieferketten aufeinander. Wer Transparenz sauber aufbaut, gewinnt nicht nur Sicherheit gegenüber künftigen Anforderungen, sondern auch bessere Argumente im Markt.

Was der digitale Produktpass leisten soll

Der digitale Produktpass verknüpft ein physisches Produkt mit seinen relevanten Daten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Je nach Anwendungsfall kann er technische, qualitative und nachhaltigkeitsbezogene Informationen zugänglich machen.

Entscheidend ist nicht nur, dass Daten vorhanden sind, sondern dass sie konsistent, verständlich und rollenbezogen bereitgestellt werden. Ein Einkäufer braucht andere Informationen als ein Servicepartner oder ein Recycler.

Typische Inhalte eines Produktpasses

  • Materialien und relevante Lieferketteninformationen
  • Produktions- und Qualitätsdaten
  • Energie- oder CO2-bezogene Kennzahlen
  • Wartungs-, Reparatur- und Serviceinformationen
  • Hinweise zu Demontage, Recycling und Rücknahme

Die entscheidende Frage ist nicht, ob der DPP kommt, sondern wie pragmatisch Unternehmen heute mit dem Aufbau sauberer Datenketten beginnen.

Jan SickingerCo-Founder, SKATechnologie GmbH

Viele Daten sind bereits vorhanden

Genau hier liegt aus meiner Sicht der wichtigste praktische Punkt: In den meisten Unternehmen müssen die nötigen Informationen nicht von Grund auf neu erzeugt werden. Ein großer Teil liegt bereits in Qualitätssicherung, ERP, BDE, Laborberichten, Freigabeprotokollen oder Lieferantendokumenten vor.

Die eigentliche Aufgabe besteht darin, diese Datenquellen zu strukturieren, digital zusammenzuführen und für unterschiedliche Nutzergruppen sinnvoll aufzubereiten. Genau hier entscheidet sich, ob aus einer regulatorischen Pflicht ein System mit echtem Mehrwert wird.

Verpackungsprozess mit automatisierter Linienführung
Saubere Datenketten beginnen dort, wo Prozesse standardisiert und reproduzierbar laufen

Vom Pflichtprogramm zum Vertriebsargument

Unternehmen, die ihre Produkt- und Prozessdaten sauber dokumentieren, können diese Transparenz aktiv nutzen, in Ausschreibungen, bei Kundengesprächen und in der Differenzierung gegenüber Wettbewerbern.

Besonders in der Verpackungsindustrie wird das schnell konkret. Kunden fragen nach Recyclingfähigkeit, Materialeinsatz, Herkunft und Nachhaltigkeitsdaten. Wer diese Informationen schnell und sauber bereitstellen kann, verkürzt Abstimmungen, reduziert Rückfragen und wirkt deutlich professioneller.

Praxisnahe Einsatzfelder

Verpackung: Materialien, Recyclingfähigkeit und Prozessparameter lassen sich produktspezifisch dokumentieren und für Kunden verständlich aufbereiten.

Medizintechnik: Rückverfolgbarkeit, Chargenbezug und Qualitätsnachweise können in eine konsistente digitale Produktakte überführt werden.

Technische Bauteile: Service- und Reparaturinformationen bleiben über den Produktlebenszyklus hinweg verknüpft und später auswertbar.

Wie der Einstieg gelingt

Der pragmatische Weg beginnt nicht mit einer großen Plattformentscheidung, sondern mit einer klaren Priorisierung: Welche Produktgruppen sind besonders relevant? Welche Daten liegen schon vor? Wo fehlen Standards, wo fehlen Schnittstellen? Und welche Informationen werden von Kunden oder Regulierern als Erstes eingefordert?

Wenn diese Basis steht, lassen sich Produktionsdaten, QR-Codes, IIoT-Systeme und Dokumentationsprozesse schrittweise verbinden. So entsteht ein Produktpass, der nicht nur formal existiert, sondern im Tagesgeschäft funktioniert und intern ebenso nützt wie extern.

Pragmatischer Einstieg

Mein Rat ist, dort zu starten, wo Transparenz schon heute operativen oder vertrieblichen Nutzen stiftet: bei qualitätskritischen Produkten, in kundenrelevanten Lieferketten oder bei Produktgruppen mit hohem Dokumentationsaufwand.

Weiterführende Quellen

Einen Einblick in den Fachvortrag von Jan Sickinger auf der FACHPACK 2024 finden Sie auf FACHPACK 2024: DPP - Digitaler Produktpass für mehr Transparenz.

Weitere Einordnung aus Sicht der Verpackungsindustrie bietet der Beitrag Der Digitale Produktpass: Inhalt, Auswirkungen, Möglichkeiten.

Ergänzend verweist der LinkedIn-Beitrag von Jan Sickinger zur Packaging Machinery Conference auf denselben Themenkomplex aus Vortragsperspektive: Packaging Machinery Conference auf LinkedIn.

Über den Autor

Jan Sickinger
Jan Sickinger
Co-Founder, SKATechnologie GmbH